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„Wir sind schon so alt, dass wir uns erlaubt haben, auch ein Buch über uns zu schreiben", sagt man im Hotel mit einem Augenzwinkern – und das zu Recht: Die Publikation Fenomén Zlatý Lev (Das Phänomen Zlatý Lev) dokumentiert 120 Jahre Geschichte eines Gebäudes, das seit seiner Entstehung Kaiser, Präsidenten, Polarforscher, Kosmonauten und Rocklegenden beherbergt hat.

Ein Hotel, eröffnet von einem Verwandten des Kaisers selbst

Das Hotel nahm im Mai 1906 seinen vollen Betrieb auf, als Erzherzog Ferdinand Karl nach Liberec kam, um feierlich die Ausstellung Deutschböhmens zu eröffnen – und kehrte einen Monat später noch einmal zurück, diesmal in Begleitung seines Onkels, Kaiser Franz Joseph I. Schon damals gehörte das Hotel zum Modernsten, was Europa zu bieten hatte: eine Küche mit elektrischem Geschirrspüler, Kühlboxen für Fleisch sowie Teppiche, die mit einem Staubsauger der Marke Vacuum Cleaner gereinigt wurden – im Jahr 1905 Errungenschaften, die sich nur wenige leisten konnten.

Hundertzwanzig Jahre, eine lange Gästeliste

Vom Polarforscher Roald Amundsen über Präsident Edvard Beneš bis hin zu Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum, der 1966 im Hotel übernachtete. Das Hotel durchlebte auch dunklere Zeiten – während des Zweiten Weltkriegs beherbergte es leider zahlreiche NS-Funktionäre, darunter Rudolf Hess und Konrad Henlein, während in der kurzen Nachkriegszeit der Freiheit die Menschenrechtsaktivistin Milada Horáková hier Station machte. In der sozialistischen Ära wurde das Hotel, damals unter dem Namen Interhotel, zu einer regelmäßigen Station für Film- und Musikstars im Zusammenhang mit den Liberecer Messen – zu Gast waren etwa Oldřich Nový, Vladimír Menšík oder die Sängerin Hana Zagorová.

Nach 1989 wurde die Liste nur noch länger – alle vier tschechischen Präsidenten wohnten hier, ebenso Schauspieler Tom Holland während der Dreharbeiten zu Spider-Man sowie Bands wie Deep Purple oder Nazareth.

Auch die Küche hielt mit der Welt Schritt: In den sechziger Jahren fanden hier russische, chinesische und japanische Kochwochen statt – zu einer Zeit, als ein asiatisches Abendessen für Tschechoslowaken schlicht exotisch war –, und 1967 wurden im Hotel Spezialitäten direkt von der Weltausstellung Expo in Montreal serviert.

Ein Buch, das daraus eine Geschichte macht

Hinter der Aufarbeitung der Geschichte steht PhDr. Lubor Lacina, Historiker am Nordböhmischen Museum, der fast ein Jahr an dem Buch arbeitete und sich dabei vor allem auf die zeitgenössische Zeitung Reichenberger Zeitung sowie erhaltene Hotelgästebücher stützte.

„Als immer mehr Informationen zusammenkamen, wurde uns klar, dass das Grandhotel Zlatý Lev eine so große Geschichte hat, dass es sich lohnt, sie ganz zu erzählen", beschreibt Lacina die Entstehung des Projekts, das ursprünglich nur als eine Reihe von Informationstafeln für das Hotelfoyer gedacht war. Die Geschichte des Hotels fasst er in einem Satz zusammen: „Grandhotel Zlatý Lev = Liberec."

Das Buch Fenomén Zlatý Lev erscheint anlässlich des diesjährigen Jubiläums und wird direkt im Hotel erhältlich sein.

Die Feierlichkeiten gehen den ganzen September weiter

Das Hotel feiert das Jubiläum von Mitte September bis Mitte Oktober mit zeitgenössischen Menüs, Ausstellungstafeln und Erinnerungen in den sozialen Medien, wo es nach und nach weitere Kapitel der Geschichte enthüllt, die vor 120 Jahren begann.